Wir sind die Bild der Startup-Szene

Die 30 größten Startup-Dramen Deutschlands

Pleiten, Rückzüge, Aufsichtsärger: nach Fallhöhe sortiert, jede Behauptung mit Datum und Quelle. Stand 12. September 2026.

Milliarden eingesammelt, Einhorn genannt, dann der Insolvenzantrag: Die deutsche Startup-Szene hat in zehn Jahren mehr Dramen produziert als jede Vorabendserie. Wir schreiben sie so, wie sie waren: laut in der Schlagzeile, trocken im Text, jede mit Datum und Beleg.

Das Wort des Tages

Down-Round

Eine Finanzierungsrunde zu einer niedrigeren Bewertung als die vorige. Klingt technisch, ist aber der Moment, in dem aus dem Einhorn ein Pferd wird: Flink stand Ende 2021 bei 2,85 Milliarden Dollar und wurde 2023 laut Handelsblatt nur noch mit rund einer Milliarde Euro bewertet. Wer das Wort in einer Pressemitteilung liest, weiß, dass die Party vorbei ist.

Die 30 Dramen, sortiert nach Fallhöhe

Platz 1 ist der tiefste Fall: Die Reihenfolge folgt der Bewertung oder dem Kapital, das laut den genannten Quellen auf dem Spiel stand; Aufsichts- und Gerichtsfälle ohne Absturz stehen weiter unten. Die Regeln des Hauses: Schlagzeile laut, Text trocken. Pleite heißt Pleite nur mit Insolvenzquelle, sonst steht Rückzug, Verkauf oder Krise. Jede Story hat ein Datum und genau eine Quelle, keine erfundenen Zitate, keine Personenfotos.

  1. Börsenrückzug

    6,7 Milliarden, 42,50 Euro, Abgang: Rocket Internet nimmt sich selbst von der Börse

    Oktober 2014: Börsengang mit 1,6 Milliarden Euro Erlös und rund 6,7 Milliarden Euro Bewertung. Sechs Jahre später bot der Vorstand den Aktionären 18,57 Euro je Aktie für den Rückzug, rund 60 Prozent unter dem Ausgabepreis von 42,50 Euro. Am 24. September 2020 stimmte die Hauptversammlung dem Delisting zu.

    Rocket Internet · 1. September 2020 · Quelle: deutsche-startups.de: Delisting! Rocket Internet geht von der Börse

  2. Vom Einhorn zum Notfall

    4,5 Milliarden Dollar wert, dann ein 73-Millionen-Kredit als Rettungsleine

    Im Juli 2022 bewerteten Investoren um Mubadala das Berliner Insurtech mit 4,5 Milliarden Dollar. Anfang 2025 nahm Wefox einen Kredit über 73 Millionen Euro bei Searchlight Capital auf; der damalige Chef warnte öffentlich vor einer Insolvenz bis zum Sommer. Bis August 2025 gingen Geschäftsteile wie die E-Bike-Versicherung Assona weg, im März 2026 bat die Führung die Investoren erneut um eine Notfinanzierung.

    Wefox · März 2026 · Quelle: DAS INVESTMENT: Wie ein 73-Millionen-Kredit Wefox in den Abgrund zieht

  3. Börsen-Absturz

    Von 23 Euro auf unter 3: Zalando kauft About You zum Schnäppchenpreis

    Am 16. Juni 2021 ging About You mit 3,9 Milliarden Euro Bewertung an die Börse, Ausgabepreis 23 Euro. Im Oktober 2024 stand die Aktie unter 3 Euro. Am 11. Dezember 2024 bot Zalando 6,50 Euro je Aktie, 67 Prozent über dem Schlusskurs und trotzdem ein Bruchteil des Ausgabepreises; am 11. Juli 2025 war die Übernahme mit 91,45 Prozent der Anteile abgeschlossen.

    About You · 11. Dezember 2024 · Quelle: finanzmarktwelt.de: Zalando kauft About You mit 67 % Kursaufschlag

  4. Notverkauf

    Schnellstes Einhorn Deutschlands, nach zwei Jahren verkauft und zugemacht

    Gegründet 2020, im März 2021 als bis dahin schnellstes deutsches Startup zum Einhorn, Ende 2021 nach dem Einstieg von Delivery Hero rund 3 Milliarden Dollar wert. Am 9. Dezember 2022 übernahm der türkische Konkurrent Getir das angeschlagene Unternehmen für rund 1,2 Milliarden Dollar. Im August 2023 schloss Getir Gorillas-Standorte in 17 von 23 deutschen Städten, bis April 2024 war Schluss in Deutschland.

    Gorillas · 9. Dezember 2022 · Quelle: Basic Thinking: Getir kauft Gorillas

  5. Pleite

    Flugtaxi ohne Sprit: Bundestag sagt Nein, Lilium geht zum Amtsgericht

    Das Münchner Flugtaxi-Startup ging im September 2021 per SPAC an die Nasdaq, Bewertung rund 2,4 Milliarden Dollar. Am 17. Oktober 2024 lehnte der Haushaltsausschuss des Bundestags eine Bürgschaft über 50 Millionen Euro für einen KfW-Kredit ab. Elf Tage später, am 28. Oktober 2024, stellten die Lilium GmbH und die Lilium eAircraft GmbH beim Amtsgericht Weilheim Insolvenzantrag in Eigenverwaltung; im Februar 2025 ruhte der Betrieb.

    Lilium · 28. Oktober 2024 · Quelle: electrive.net: Lilium stellt Antrag auf Insolvenz

  6. Rückzug

    1,2 Milliarden für Gorillas ausgegeben, 16 Monate später raus aus Deutschland

    Getir kam im Juni 2021 mit Berlin nach Deutschland und kaufte im Dezember 2022 den Konkurrenten Gorillas für rund 1,2 Milliarden Dollar. Statt der angepeilten Milliarde an frischem Kapital sammelte der Konzern Anfang 2023 nur rund 250 Millionen Dollar ein. Im August 2023 schloss Getir 17 von 23 deutschen Standorten, im April 2024 bestätigte das Unternehmen den kompletten Rückzug aus Deutschland.

    Getir Deutschland · April 2024 · Quelle: WirtschaftsWoche: Getir bestätigt Rückzug aus Deutschland

  7. Kurssturz

    Minus 45 Prozent an einem Tag: Der Kochbox-Star kassiert sein Milliardenziel

    Am 8. März 2024 brach die HelloFresh-Aktie um bis zu 45,5 Prozent auf 6,46 Euro ein, den tiefsten Stand seit fünf Jahren und den größten Kurssturz der Firmengeschichte. Das Berliner MDax-Unternehmen erklärte, das Ziel von 10 Milliarden Euro Umsatz und einer Milliarde Euro operativem Gewinn bis 2025 sei nicht mehr realistisch. Schon im November 2023 hatte eine Gewinnwarnung die Anleger geschockt.

    HelloFresh · 8. März 2024 · Quelle: t-online: HelloFresh-Aktie, größter Kurssturz der Firmengeschichte

  8. Aufsicht

    9 Milliarden Dollar wert, aber die BaFin erlaubt nur 50.000 neue Kunden im Monat

    Im Oktober 2021 sammelte die Berliner Smartphone-Bank 900 Millionen Dollar ein und wurde mit über 9 Milliarden Dollar bewertet. Vier Wochen später, am 9. November 2021, deckelte die BaFin das Wachstum auf höchstens 50.000 Neukunden pro Monat und schickte wegen Mängeln im IT- und Auslagerungsmanagement einen weiteren Sonderbeauftragten ins Haus. Schon im Mai 2021 hatte die Aufsicht wegen Lücken in der Geldwäscheprävention eingegriffen, im Juli 2023 verlängerte sie die Maßnahmen.

    N26 · 9. November 2021 · Quelle: BaFin: N26 Bank GmbH, Wachstumsbeschränkung und Sonderbeauftragter

  9. Kapitalschnitt

    1,4 Milliarden verbrannt: Bei Grover werden die Altaktionäre einfach überstimmt

    In den Berliner Technik-Vermieter flossen insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro, davon über 250 Millionen Euro Eigenkapital. Nach Verhandlungen seit September 2024 stimmten am 16. April 2025 alle Gläubigergruppen einem Restrukturierungsplan nach StaRUG zu, nur die Anteilseigner nicht; ihr Nein wurde per gruppenübergreifender Mehrheit ersetzt. Am 25. April 2025 bestätigte das Amtsgericht Charlottenburg den Plan: Kapitalschnitt, 30 Millionen Euro frisches Geld gegen 50 Prozent der Anteile.

    Grover · 25. April 2025 · Quelle: INDat: Grover, Finanzrestrukturierung im StaRUG-Verfahren

  10. Aufsicht

    12,5 Milliarden Bewertung, Depotübertrag dauert neun Monate: Die BaFin schaltet sich ein

    Am 7. Februar 2025 klagte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vor dem Landgericht Berlin II gegen die Zinswerbung des Neobrokers. Zwischen Januar und September 2025 zählten die Verbraucherzentralen über 300 Beschwerden, vor allem zu Depotüberträgen, die sich laut Berichten bis zu neun Monate hinzogen; die BaFin-Ombudsstelle meldete für 2025 ein Plus von 35 Prozent bei den Beschwerden. Im August 2025 forderte die BaFin die Broker per aufsichtlicher Mitteilung zu besserer Information und schnelleren Antworten auf, im Dezember 2025 wurde Trade Republic trotzdem mit 12,5 Milliarden Euro bewertet.

    Trade Republic · August 2025 · Quelle: DAS INVESTMENT: BaFin verzeichnet 35 Prozent mehr Beschwerden, Neobroker im Fokus

  11. Fusion unter Druck

    660 Millionen Dollar eingesammelt, am Ende verschwindet sogar der Name

    Der Berliner E-Scooter-Verleiher Tier hatte seit 2018 mehr als 660 Millionen Dollar eingesammelt. Ab November 2023 strich das Unternehmen rund 400 Stellen, nachdem Tier und Dott zusammen 55 Millionen Euro Jahresverlust gemacht hatten. Am 25. März 2024 war die Fusion mit dem französischen Konkurrenten Dott abgeschlossen, Tier-Gründer Lawrence Leuschner gab den Chefposten ab; im Oktober 2024 kündigte das fusionierte Unternehmen an, die Marke Tier und die Tier-App einzustellen.

    Tier Mobility / Dott · 25. März 2024 · Quelle: Trending Topics: Tier Mobility schließt sich mit Dott zusammen

  12. Pleite

    Zweites Flugtaxi am Boden: Volocopter meldet am zweiten Weihnachtstag Insolvenz an

    Das Bruchsaler Unternehmen hatte bis 2022 von Investoren wie Deutsche Bahn, Intel und Mercedes-Benz mehr als 495 Millionen Euro eingesammelt. Am 26. Dezember 2024 stellte die Geschäftsführung beim Amtsgericht Karlsruhe Insolvenzantrag, weil eine geplante Finanzierungsrunde nicht zustande kam; rund 500 Beschäftigte waren betroffen. Am 1. März 2025 eröffnete das Gericht das reguläre Insolvenzverfahren.

    Volocopter · 26. Dezember 2024 · Quelle: airliners.de: Volocopter meldet Insolvenz an

  13. Pleite

    426 Millionen Börsenwert, am Ende keine fünf: Windeln.de wird abgewickelt

    Der Münchner Babyartikel-Händler ging 2015 mit rund 426 Millionen Euro Bewertung an die Frankfurter Börse. Ende Oktober 2022 stellte Windeln.de Insolvenzantrag, nachdem monatelang kein Investor gefunden worden war. Der Insolvenzverwalter fand auch keinen Käufer für das Gesamtunternehmen; es wurde abgewickelt, der Unternehmenswert war zuletzt auf knapp fünf Millionen Euro gefallen.

    Windeln.de · Oktober 2022 · Quelle: Handelsblatt: Windeln.de wird abgewickelt, kein Investor gefunden

  14. Pleite

    Einst größtes Fintech Deutschlands, dann mangels Masse zerschlagen

    Der Hamburger Online-Kreditgeber Kreditech sammelte bis 2017 rund 242 Millionen Euro ein, unter anderem von PayU, der Weltbank-Tochter IFC und Peter Thiel. 2020 hieß die Firma Monedo, im September 2020 stellte sie Insolvenzantrag; das Amtsgericht Hamburg bestellte einen vorläufigen Verwalter. Im Dezember 2020 endete der Geschäftsbetrieb, bis 2022 wurde das Unternehmen mangels Masse zerschlagen.

    Kreditech / Monedo · September 2020 · Quelle: deutsche-startups.de: Monedo, der Kreditech-Nachfolger, ist insolvent

  15. Pleite, zweimal

    Das Solarauto, das nie kam: Sono Motors ist zum zweiten Mal insolvent

    Die Münchner gingen im November 2021 an die Nasdaq und nahmen netto rund 137 Millionen Euro ein. Im Mai 2023 folgte der Schutzschirmantrag, das Solarauto Sion wurde eingestellt, rund 50 Millionen Euro Kundenanzahlungen mussten zurück. Nach einem 2024 bestätigten Sanierungsplan lief nur noch das Solar-Geschäft für Nutzfahrzeuge weiter; am 31. Juli 2026 stellte Sono Motors den Betrieb ein und ging erneut ins Insolvenzverfahren, nachdem die Muttergesellschaft im März 2026 alle Finanzierungszusagen beendet hatte.

    Sono Motors · 31. Juli 2026 · Quelle: heise: Sono Motors erneut insolvent, Sono Solar steht zum Verkauf

  16. Pleite

    Krypto-Bank ohne Geld: Nuri geht drei Monate nach dem Relaunch zum Amtsgericht

    Bitwala, gegründet 2015 in Berlin, benannte sich in Nuri um und war zuletzt mit 144 Millionen Euro bewertet. Im Mai 2022 entließ das Unternehmen rund 20 Prozent der Belegschaft, dann platzte eine Finanzierungsrunde mit Pavillon Capital und die Pleite des US-Partners Celsius verschärfte die Lage. Am 9. August 2022 stellte die Nuri GmbH beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenzantrag, am 1. November 2022 wurde das Verfahren eröffnet.

    Nuri (ehemals Bitwala) · 9. August 2022 · Quelle: JuraForum: Nuri (ehem. Bitwala) GmbH meldet Insolvenz an

  17. Aufsicht

    Die Bank hinter den Fintechs bekommt selbst einen Aufpasser von der BaFin

    Am 26. Januar 2023 bestellte die BaFin bei der Berliner Banking-Plattform einen Sonderbeauftragten und beschränkte neue Kooperationspartnerschaften wegen Mängeln in Geldwäscheprävention und Risikomanagement. Am 12. Juli 2024 ordnete die Aufsicht erneut die Beseitigung von Mängeln an, im Juni 2025 kamen 500.000 Euro Bußgeld wegen wiederholt überschrittener Großkreditgrenzen dazu. Um eine Insolvenz abzuwenden, brauchte Solaris bis zu 150 Millionen Euro frisches Kapital und holte sie in zwei Runden über 96 und 140 Millionen Euro, zuletzt angeführt von der japanischen SBI Group.

    Solaris SE · 26. Januar 2023 · Quelle: BaFin: Solaris SE, Sonderbeauftragter und Beschränkung neuer Kooperationen

  18. Pleite

    Zwei Krisen, ein Antrag: Das Umzugs-Startup Movinga zieht zum Insolvenzgericht

    Schon 2016 entließ das Berliner Unternehmen 150 Mitarbeiter und schrieb 36,9 Millionen Euro Verlust, nachdem eine Finanzierung geplatzt war. Im April 2023 übernahm die britische Shift Group und schoss zunächst 8 Millionen Euro zu. Am 31. Januar 2024 stellte Movinga beim Amtsgericht Berlin Insolvenzantrag in Eigenverwaltung, damals mit noch 53 Beschäftigten; Ende 2024 übernahm das Schweizer Unternehmen MoveAgain.

    Movinga · 31. Januar 2024 · Quelle: WirtschaftsWoche: Umzugs-Start-up Movinga stellt Insolvenzantrag

  19. Pleite

    90 Millionen Kapital, ein 40-Millionen-Lager, keine Rettung: Lesara ist Geschichte

    Der Berliner Mode-Händler war seit 2013 mit rund 90 Millionen Euro von Investoren wie Northzone und Vorwerk Ventures finanziert. Anfang November 2018 stellte Lesara Insolvenzantrag, zunächst in Eigenverwaltung; Auslöser war ein rund 40 Millionen Euro teures eigenes Logistikzentrum, dessen verzögerte Kreditauszahlung eine Liquiditätslücke riss. Ein Investor fand sich nicht, Anfang 2019 wurde der Shop geschlossen.

    Lesara · November 2018 · Quelle: deutsche-startups.de: Lesara und der Niedergang des Jahres

  20. Pleite, zweimal

    Das Aachener Elektroauto geht zweimal pleite, mit vier Jahren Abstand

    Der 2015 vom RWTH-Professor Günther Schuh gegründete Kleinwagenbauer beantragte am 2. April 2020 ein Schutzschirmverfahren, am 1. Juli 2020 eröffnete das Amtsgericht Aachen das Insolvenzverfahren. Der niederländische Investor ND Industrial Investments übernahm zum 1. September 2020 das Geschäft mit rund 400 Beschäftigten. Am 11. März 2024 stellte die Nachfolgefirma Next.e.GO Mobile SE beim Amtsgericht Aachen erneut Insolvenzantrag.

    e.GO Mobile · 11. März 2024 · Quelle: electrive.net: Insolvenzverfahren für e.GO Mobile eröffnet

  21. Gerichtssaal

    Deutschlands wertvollstes Startup verklagt SAP, und SAP klagt zurück

    Das Münchner Software-Unternehmen wurde im August 2022 mit 13 Milliarden Dollar bewertet. Am 17. März 2025 reichte Celonis in San Francisco eine Kartellklage gegen SAP ein: Der Konzern dränge Kunden mit hohen Gebühren für den Datenzugriff zur eigenen Tochter Signavio. Im Juni 2025 wies das Gericht Teile der Klage ab, im Juli folgte eine überarbeitete Fassung; am 27. Oktober 2025 ließ das Gericht den Großteil der Vorwürfe zur Beweisaufnahme zu, während SAP seinerseits wegen vier Patenten klagte.

    Celonis · 17. März 2025 · Quelle: The Register: Celonis sues SAP, claiming it's gatekeeping customer data

  22. Rückzug in vier Tagen

    Montag angekündigt, Freitag weg: Deliveroo verlässt Deutschland

    Schon 2018 hatte sich der britische Lieferdienst aus zehn deutschen Städten zurückgezogen. Am 12. August 2019 kündigte Deliveroo an, den deutschen Markt ganz zu verlassen; am 16. August 2019 endete der Betrieb in Berlin, Hamburg, Köln, München und Frankfurt. Vier Monate zuvor hatte Takeaway.com die Übernahme von Delivery Hero Deutschland abgeschlossen und war damit klar größter Anbieter im Land.

    Deliveroo Deutschland · 16. August 2019 · Quelle: Tageskarte: Deliveroo stellt Deutschland-Geschäft ein

  23. Pleite

    Die BaFin selbst stellt den Insolvenzantrag: 320.000 Verträge hängen in der Luft

    Der Berliner Digitalversicherer hielt seit Oktober 2017 eine BaFin-Lizenz und hatte unter anderem 23 Millionen Euro in einer Series A eingesammelt. Ende 2024 zog sich der Rückversicherer Hannover Rück zurück, Element meldete der Aufsicht am 20. Dezember 2024 die Überschuldung. Am 23. Dezember 2024 stellte die BaFin beim Amtsgericht Charlottenburg den Insolvenzantrag, am 1. März 2025 wurde das Verfahren über rund 320.000 Verträge eröffnet.

    Element Insurance · 23. Dezember 2024 · Quelle: BaFin: ELEMENT Insurance AG, Eröffnung des Insolvenzverfahrens

  24. Pleite

    Zehn Jahre E-Roller aus Berlin, dann übernimmt der Konkurrent die Reste

    Unu brachte 2014 sein erstes Elektromoped auf den Markt und sammelte in mehreren Runden Kapital ein, zuletzt 18 Millionen Euro. Im November 2023 meldete das Unternehmen Insolvenz an; genannt wurden gestiegene Material- und Transportkosten und ein inflationsbedingter Nachfrageeinbruch. Im April 2024 übernahm der Rollerhersteller Emco Vermögenswerte, Vertrieb und Service, die Marke blieb.

    Unu Motors · November 2023 · Quelle: electrive.com: Emco takes over insolvent Unu

  25. Schließung

    Erst profitabel gemeldet, fünf Monate später zu: DaWanda macht dicht

    Der 2006 gegründete Berliner Marktplatz für Handgemachtes entließ im Juni 2017 60 von 230 Mitarbeitern; 2017 stand ein Umsatz von 16,4 Millionen Euro bei knapp einer Million Euro operativem Verlust. Ende Juni 2018 kündigte DaWanda an, den Betrieb zum 31. August 2018 einzustellen, nur fünf Monate nachdem das Unternehmen erstmals Profitabilität gemeldet hatte. Als Grund nannte es den Wettbewerb durch Etsy und Amazon Handmade.

    DaWanda · Juni 2018 · Quelle: deutsche-startups.de: Bitter und tragisch, DaWanda schließt seine Tore

  26. Konzern zieht den Stecker

    Bosch stellt seine E-Roller ab: 120 Jobs weg, die Flotte geht an Tier

    Coup startete im August 2016 in Berlin als hundertprozentige Bosch-Tochter mit rund 200 Elektrorollern. Am 25. November 2019 kündigte Bosch das Ende an; Mitte Dezember 2019 war in Berlin und Tübingen Schluss, rund 120 Mitarbeiter waren betroffen, Paris und Madrid folgten. Im Februar 2020 verkaufte Bosch Roller und Ladeinfrastruktur an den Konkurrenten Tier.

    Coup · 25. November 2019 · Quelle: electrive.com: Bosch discontinues Coup scooter sharing

  27. Pleite

    Der Erfinder der Kochbox im Laden meldet Insolvenz an

    Kochhaus eröffnete 2010 seinen ersten Laden in Berlin-Schöneberg und wuchs auf neun Filialen in fünf Städten. Am 28. März 2019 stellte die Kochhaus GmbH beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenzantrag, weil die Zeit für eine Restrukturierung mit Banken und einem neuen Investor nicht mehr reichte. Der Betrieb mit rund 190 Beschäftigten lief zunächst weiter, etwa drei Monate später übernahm der Feinkost-Großhändler Viani.

    Kochhaus · 28. März 2019 · Quelle: Tagesspiegel: Kochhaus meldet Insolvenz an

  28. Verkauf

    Das Sprachrohr der Szene geht an Springer und verschwindet in Business Insider

    Die Gründerszene-Betreiberin Vertical Media GmbH entstand 2010 und berichtete über die deutsche Startup-Szene. 2013 übernahm Axel Springer rund 90 Prozent der Anteile, einen Kaufpreis nannte der Konzern nicht, Medien bezifferten ihn auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Im April 2020 kündigte Springer an, die Redaktion mit Business Insider Deutschland zusammenzulegen.

    Gründerszene · 2013 · Quelle: DWDL: Axel Springer steigt bei gründerszene.de ein

  29. Randnotiz

    Kein Startup, aber der Maßstab: 1,9 Milliarden, die es nie gab

    Wirecard war ein DAX-Konzern und kein Startup, gehört aber als Maßstab an den Rand dieser Liste. Am 25. Juni 2020 stellte die Wirecard AG beim Amtsgericht München Insolvenzantrag, nachdem rund 1,9 Milliarden Euro Bankguthaben als nicht existent aufgeflogen waren; am 25. August 2020 eröffnete das Gericht das Verfahren.

    Wirecard · 25. Juni 2020 · Quelle: Amtsgericht München: Insolvenzeröffnungen Wirecard-Konzern

Was die Fälle gemeinsam haben

Drei Muster ziehen sich durch fast jede Story. Erstens: Das Geschäftsmodell war ein Wachstumsversprechen, kein Ertragsmodell; Lieferdienste, Flugtaxis und Solarautos brauchten jedes Jahr frisches Kapital, und ab 2022 blieb es aus. Zweitens: Die Bewertung lief dem Geschäft voraus, die nächste Runde gab es nur noch billiger. Drittens: Der Staat stand oft am Rand, als Aufseher bei N26 und Solaris, als ausbleibender Bürge bei Lilium. Keine dreißig Einzelfälle, sondern ein Zyklus: billiges Geld, große Ziele, harte Landung.

Wo die Fortsetzung läuft

Diese Seite ist der Anfang, kein Archiv. Neue Dramen kommen hier dazu, sobald sie ein Datum und eine Quelle haben. Wer eine Pleite, einen Rückzug oder einen Aufsichtsfall kennt, der fehlt, findet im Impressum die Adresse. Wir prüfen, wir belegen, wir schreiben es auf, in dieser Reihenfolge.

Häufige Fragen

Was sind die größten Startup-Pleiten in Deutschland?

Gemessen an Kapital und Bewertung sind es die Fälle Lilium (Insolvenzantrag Oktober 2024 nach 2,4 Milliarden Dollar Börsenbewertung), Volocopter (Dezember 2024, mehr als 495 Millionen Euro eingesammelt), Windeln.de (Oktober 2022, Börsenwert einst 426 Millionen Euro) und Kreditech (September 2020, rund 242 Millionen Euro Kapital). Gorillas und Getir waren keine Insolvenzen, sondern ein Notverkauf und ein Rückzug, stehen aber wegen der Summen ganz oben in der Liste.

Warum scheitern so viele deutsche Startups seit 2022?

Weil das Geschäftsmodell vieler Wachstumsfirmen frisches Kapital voraussetzte und dieses Kapital ab 2022 mit steigenden Zinsen ausblieb. Lieferdienste, Flugtaxis und Solarautos hatten hohe laufende Verluste und brauchten jedes Jahr eine neue Runde. Als die Investoren nur noch zu niedrigeren Bewertungen oder gar nicht mehr zahlten, folgten Stellenabbau, Notverkauf oder Insolvenzantrag.

Woher stammen die Angaben auf dieser Seite?

Jede Story nennt genau eine Quelle mit Link, meist Wirtschaftsmedien wie Handelsblatt, WirtschaftsWoche, Tagesspiegel oder Fachportale wie electrive und deutsche-startups.de, bei Aufsichtsfällen die Veröffentlichung der BaFin selbst. Eine Insolvenz steht nur dann als Pleite auf der Seite, wenn eine Quelle den Insolvenzantrag oder das Amtsgericht nennt. Bewertungen und Kapitalsummen sind die gerundeten Angaben dieser Quellen.

Alle Angaben stammen aus den je Story verlinkten Quellen mit Stand 12. September 2026. Eine Insolvenz wird nur genannt, wenn eine Quelle den Insolvenzantrag dokumentiert; Bewertungen und Kapitalsummen sind gerundete Angaben der genannten Medien. Diese Seite gibt keine Wertung über Personen ab, verwendet keine Zitate aus zweiter Hand und enthält keine Partnerlinks. Wer einen Fehler findet, schreibt an die Adresse im Impressum; wir korrigieren mit Datum.